Motorboot Club Altrip e.V.

Rhein-km 417 LU im Prinz-Karl-Wörth Hafen

Es klappert die Mühle...

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Wer im September 2011 der BRAUN-WERFT in Speyer einen Besuch abstattete,
konnte ins Staunen geraten:
Da stand ein riesiges Holzhaus, auf jeder Seite mit einem Schaufelrad versehen, montiert
auf einem Ponton. Handelte es sich etwa um eine Neukonstruktion des klassischen
Schaufelraddampfers der Dresdener Weißen Flotte? Oder ist das ein Beitrag moderner
Schiffsbautechnik zur Energiewende? Irrtum: Es war der Nachbau einer historischen
Schiffsmühle.
Was vielen Wassersportlern gar nicht bewusst ist: In früheren Jahrhunderten gab es
auf dem Rhein eine große Anzahl von Schiffsmühlen, die vor Anker lagen oder am Ufer
befestigt waren. Ihre Schaufelräder wurden von der Strömung angetrieben. Im Bauch
des Schiffes wurde die Kraft der Schaufelrad-Welle über einen Zahnkranz auf eine
senkrecht stehende Welle übertragen, mit der die Mühlräder in Bewegung gehalten
wurden. Ansonsten enthielt die schwimmende Mühle alle technischen Einrichtungen,
die man zur Herstellung einer guten Mehl- und Grießqualität benötigte.
Es ist kein Zufall, dass es in Ginsheim bei Mainz einen "Verein Historische Rheinschiffsmühle
Ginsheim" gibt, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Tradition des ehemaligen Schiffsmühl-
Betriebes zu pflegen, denn in früheren Jahren waren bis zu 21 Mühlen dieser Art im
Ginsheimer Altrhein, bei Rhein-Km 493, angesiedelt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde
durch Wasserbau-Maßnahmen die Strömungsgeschwindigkeit im Altrhein so stark verringert,
dass die Schiffsmühlen in den Hauptstrom verlegt werden mussten. Das war aber keine gute
Lösung, denn auf dem Rhein sorgte gerade die aufkommende Dampfschifffahrt für quirliges
Wasser. Dadurch wurde die Anlieferung des Getreides und die Abholung der Fertigprodukte
in Rudernachen derart schwierig, dass nach und nach alle 120 Schiffsmühlen zwischen Basel
und Nimwegen den Betrieb einstellten. Als letzte lief in Ginsheim noch eine Mühle bis 1928,
die nach ihrer Stilllegung nach Mainz verlegt wurde. Dort sollte sie der Nachwelt als Museum
erhalten bleiben. Dem machte aber der II. Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung. 1945
wurde die einzige noch erhaltene Schiffsmühle durch einen Bombenangriff völlig zerstört.
Mit viel Optimismus und der erfolgreichen Mobilisierung einer großen Sponsorenschar
wagten es Vorstand und Mitglieder des "Vereins Historische Rheinschiffsmühle Ginsheim",
ihren Traum vom Nachbau einer Schiffsmühle in die Wirklichkeit umzusetzen. 2011 war es
endlich so weit. Die Aufträge konnten vergeben werden und Ende September erfolgte die
Überführung des Museumsschiffes auf dem Wasserweg von Speyer nach Ginsheim. Der
Liegeplatz befindet sich bei Rhein-km 493 RU im Hauptstrom, kurz hinter der Mündung des
Ginsheimer Altrheins.
Beim Innenausbau gibt es noch viel zu tun, aber in nicht allzu langer Zeit wird man die
Schiffsmühle von Ginsheim wieder klappern hören und den Müller bei seiner staubigen
Arbeit beobachten können.

Danksagung
Der Autor dankt der BRAUN WERFT in Speyer für die freundliche Genehmigung zur Baustellen-
Besichtigung.
Herzlichen Dank dem Vorstand des "Vereins Historische Rheinschiffsmühle Ginsheim"
für die umfangreichen historischen und technischen Erläuterungen und die Überlassung von Informationsmaterial.

Dr. Johannes Schmidt